Ich wollte mehr als nur Töne
Auch wenn ich zur Zeit als KI-Beraterin arbeite, bin ich mit Klavier und Geige aufgewachsen, habe in einem Symphonieorchester mitgespielt und später Musik studiert.
Ich kenne beides:
das Hochgefühl, wenn Schweres gelingt und die Musik mich selbst berührt – und die Phasen, in denen Üben einfach keinen Spaß machte.
Um mich zu motivieren, erzählte ich mir kleine Geschichten zu meinen Stücken, malte mir aus, berühmt zu sein, vor Presseleuten zu spielen, alle zu bannen…..
Nur Fantasien – aber sie machten mein Üben interessanter und die Stücke lebendiger.
Für meine Abschlussprüfung im Fach Klavier musste ich vier Werke öffentlich spielen.
Als Generalprobe gab ich ein Konzert im Altersheim: Mozart, Bach, Chopin – und Hindemith: Suite 1922. Ich war unsicher, ob ich das letzte Stück im Altersheim spielen sollte, denn es ist wirklich moderne Musik, die für viele einfach nur falsch klingt. Ich selbst hatte damals Probleme mit diesem Stück, mir fehlte der Zugang.
Ich spielte die „falsch klingende“ Suite 1922 dann doch.
Zu meinem Erstaunen sprachen mich nach dem Konzert alte Menschen an – nicht zu Mozart oder Chopin – sondern zu Hindemiths Suite 1922:
„Genau so war es damals! – Dieses Klingeln auf den Straßen, die Umtriebigkeit…. all dieses neue Zeug……“
Plötzlich sah ich innere Bilder vor mir.
In der Prüfung bekam ich die Note 1,0. Der Professor sagte: „Vor allem in der Suite 1922 kam etwas rüber in ihrem Spiel, was man nicht beschreiben kann – es war da noch mehr als nur die gespieltenTöne.“
Seitdem weiß ich: Kontext verändert Klang.
Ich unterrichtete Klavier an einer Musikschule und entwickelte ein Bühnen-Konzept für den Unterricht: Körper, innere Bilder, ein Hauch von Theater.
Mit Schülern auch anderer Fachgruppen organisierte ich eine Aufführung, bei der wir in ein Land ohne gesprochene Sprache reisten – alle kommunizierten nur über Musik. Eltern und Schüler bastelten Kostüme, wir hatten ein kleines Drehbuch, und plötzlich stellte sich jeder die eigentliche Frage: Was sagt mein Stück?
Der Auftritt wurde ein großer Erfolg, weil es nicht mehr darum ging, ein Stück „vorzuspielen“, sondern es zu sein.
Diese Erfahrungen sind der Impuls für mein Kalenderprojekt.
Ich komme heute von der Fotografie und versuche, solche Bilderwelten bewusst zu bauen: Licht, Farben, Haltung, Requisiten, Mimik – alles, was eine Rolle öffnet.
Wenn daraus Fotos entstehen, die auf den Musiker und sein Spiel zurückwirken und etwas in die Musik hineinlegen, was man nicht beschreiben kann – dann hat der Kalender seine Mission erfüllt.


Ich arbeite heute hauptberuflich als KI-Beraterin. Täglich sehe ich, wie rasant sich Technik entwickelt – und wie leicht wir dabei stundenlang vor Handy oder Rechner sitzen und ein Stück von uns selbst verlieren. Gerade deshalb ist es so wertvoll, wenn junge Menschen etwas Eigenes erschaffen: sich durchbeißen, wachsen, stolz auf ihr Ergebnis sein – und mit einem eigenen Vortrag nicht nur andere, sondern auch sich selbst glücklich machen.
Mein Bestreben ist, KI als Werkzeug einzusetzen, nicht als Ersatz.
Technik soll helfen, dass wir uns klarer ausdrücken und kreativer Kunst und Musik machen können – indem wir eine Bühne schaffen, die mehr Gestaltungsspielraum bietet als bisher.








